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Kannst du dich kurz vorstellen und erklären, wie du vom Fotojournalismus zum Drohnenjournalismus gekommen bist?

Mein Interesse an der Fotografie haben meine Eltern bereits in meiner Kindheit geweckt. Meine Mutter liebte Fotos und hat mir Geschichten zu allen Fotos im Haus meiner Großeltern erzählt. Ein Foto hat mich besonders beeindruckt. Es zeigt meinen Großvater auf seiner Farm in Polen im Jahr 1933 und ist das einzige von ihm aus Europa. Mein Vater wollte aber nie über die Zeit und den erlebten Antisemitismus sprechen. Meine Mutter hatte Fotos ihrer Kinder und Enkelkinder an der Wand hängen erzählte mir die Geschichten begeistert in einem Mix aus Yiddish und Englisch – von ihr habe ich viel über visuelles Storytelling gelernt. Ihr Haus kam mir immer vor wie ein Fotomuseum. Sie erzählte mir die Geschichten und wurde dabei nostalgisch, mein Vater war sehr sentimental und hatte spannende Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit mit seinen Freunden auf Tinian Island.

Ich habe viele Fotos geerbt, als meine Mutter vor vier Jahren starb und die dazugehörigen Geschichten leben so weiter. Die Ironie ihres Todes ist, dass sie an Alzheimer starb und ihre Erinnerungen verloren hat. Dabei war ihr Gedächtnis ihre Verbindung zur visuellen Kunst.

Meine erste Kamera

Im Alter von 12 oder 13 Jahren schnappte ich mir die Leica Kamera meines Bruders, wenn er in Harvard war. Ich habe die Kamera letztlich zusammen mit meinem Vater zum Laufen bekommen und viele Filme verbraucht. Schließlich entschied ich mich, Fotojournalismus zu studieren.

Über Vorbilder

Ich war besessen von Fotografen wie Dorothea Lange. Sie dokumentierte für die Farm Security Administration mit so ausdrucksvollen Fotos die Lebensbedingungen der Menschen während der großen Depression. Ich habe nur studiert und während des Studiums nichts anderes gemacht. In den vier Jahren fotografierte ich die ganze Zeit und las Bücher über Fotografie.

Besonders großen Einfluss hatten Fotografen des Vietnam Kriegs wie Nick Ut, Henry Huet und Don McCullin. Ich habe auch ihre Arbeiten intensiv studiert. Ich besuchte die School of Art in Chicago für meinen Bachelor-Abschluss und machte dann meinen Master dort. Im Laufe der sieben Jahre bekam ich meine ersten Aufträge.

Meine ersten Drohnenaufnahmen

Nachdem ich 23 Jahre lang mit traditionellem Foto- und Video-Equipment arbeitete, fragten mich immer mehr Agenturen nach Drohnenaufnahmen. Daher machte ich vor etwa drei Jahren die FAA (Federal Aviation Administration) und CAA (Civil Aviation Authority) Lizenz. Die Technik hat sich rasend schnell verändert und ich wollte den Anschluss nicht verpassen, die neuen Möglichkeiten haben mich begeistert.

Ich war also eine Pionierin, die Drohnen in Konfliktzonen wie in den irakischen Teil Kurdistans gebracht hat. Tatsächlich war ich im Jahr 2017 bei der Mossul-Offensive die erste zivile Drohnenpilotin des Landes. Ich war auch die erste Zivilistin, die mit einer Drohne Luftaufnahmen von den Rohingya gemacht hat, als diese auf der Flucht vor dem Genozid in Myanmar den Golf von Bengalen durchquerten.

Ich denke es war eine natürliche Entwicklung und ich konnte beim Drohnen-Journalismus glücklicherweise meine Erfahrung als Fotojournalistin anwenden. Viele meiner Kollegen haben diese Veränderung nicht mitgemacht und nutzen keine Drohnen-Technologie für Luftaufnahmen oder Kartenerstellungen.

 

Wie lange fliegst du bereits Drohnen und welches Model nutzt du gerade?

Nun, als Drohnen-Journalistin arbeite ich mit einer ganzen Flotte von Drohnen. Ich begann vor drei Jahren mit meiner Parrot Bebop 2 und Phantom 3. Die Phantom 3 wurde damals jedoch häufig an Flughäfen konfisziert, weshalb viele Aufnahmen mit der Parrot Bebop 2 entstanden sind. Sowohl die Aufnahmen zur Rohingya-Krise als auch der Mossul-Offensive sind mit der Drohne für Hobby-Flieger entstanden. Es muss also kein besonders ausgefallenes Modell sein. Aber in den letzten Jahren, in denen meine Drohne häufig mehrere Stunden am Tag in der Luft war, suche ich möglichst das Modell speziell für die Region und Anforderungen aus. Durch den rasanten technologischen Fortschritt ist die Auswahl größer und ich entscheide mich für meine Hardware passend zum Auftrag und den Wünschen des Kunden.

Was macht dir an der Drohnen-Fliegerei am meisten Spaß? Welcher Moment ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Ich denke das war der Flug, als ich in Bangladesch meine Drohne neben der Grenze zu Myanmar habe fliegen lassen und Zehntausende Rohingya von Myanmar nach Bangladesch geflüchtet sind. Die Menschen mussten so viel leiden, nicht nur von der tagelangen Wanderung ohne Essen und Wasser, sondern auch vom Stress durch die Suche nach geliebten Menschen, dem miterlebten Genozid und dass sie von der Regierung von Myanmar im Stich gelassen wurden. Sie litten unter der Tatsache, dass sie staatenlos und ohne Pass waren und ihr eigenes Schicksal nicht kannten.

Youtube Video dazu

https://www.youtube.com/embed/xWpVAX9XTM8

An einem Tag wurde das erste Flüchtlingscamp errichtet und die Rohingya haben immer versucht mir im tiefen Matsch einen Platz zum Starten meiner Drohnen zu schaffen. Obwohl die Menschen diesem Stress ausgesetzt waren, haben sie mir geholfen einen Startplatz aus Kartons zu errichten. Bei all der heutigen Feindlichkeit der Presse gegenüber, in der Präsidenten Journalisten als Feinde des Staates bezeichnen, war die Hilfe der Rohingya ein Moment den ich nie vergessen werde. Sie haben die Bedeutung meiner Arbeit erkannt und geholfen. Menschen, die dir ein Stückchen von ihrem Dach geben, damit du deine Drohne sicher landen kannst, die Menschen, ihre Gesichter und Stärke vergisst du nicht mehr.

Die Drohnen-Fliegerei ist ein von Männern dominiertes Gebiet. Was denkst du warum das so ist? Denkst du das kann sich bald änder

Ich habe gelernt, dass, nur weil ich Drohnen-Technologie einsetze, es noch lange nicht heißt, dass es einen Frauen-Industrie ist. Wie beim Fotojournalismus sind die meisten meiner Kollegen männlich. Es gibt nicht viele Drohnen-Journalistinnen. Ein häufiges Problem bei meiner Arbeit ist das hohe Gewicht der Ausrüstung, ich brauche viele Akkus und muss sie an entlegene Orte bringen.

Die vielen Filmrollen waren nicht so schwer, jetzt muss ich viel mehr schweres Gerät transportieren. Traurigerweise gibt es immer noch sexuelle Belästigung, aber ich durchlebe das bereits seit 24 Jahren. Es ist ein kompliziertes Problem, dass mehr Aufmerksamkeit bekommen muss.

Ich denke Drohnen-Journalistinnen werden ihre #me too Bewegung haben, aber nicht in naher Zukunft. Es ist ein komplexes Problem, auf das ich im Detail nicht in einem kurzen Interview eingehen kann. Ich würde auch sagen, dass du als Frau erst eine Menge Dokumentationen machen solltest, bevor du dich in ein Konfliktgebiet begibst. Du brauchst Trainingskurse zum Verhalten in einer feindlichen Umgebung und Selbstverteidigung.

Frauen jeden Alterns können viel tun, um sich selbst während der Arbeit zu schützen. Du musst alle Vorbereitungen abgeschlossen haben, bevor du solche Plätze besuchst. Ich empfehle niemandem, die ersten Versuche in Konfliktzonen wie im Irak zu unternehmen. Es ist sehr gefährlich dort und du wirst nicht richtig vorbereitet sein. Weder Frauen noch Männer sollten als Drohnen-Journalisten in einem Kriegsgebiet beginnen.

Die Drohnen-Technologie ist noch jung und es gibt viel Platz für Innovationen. Ich befürchte jedoch, dass große kommerzielle Unternehmen viele kleine Drohnen-Piloten verdrängen. Ich habe viele Drohnen-Konferenzen besucht und hoffe in Zukunft nicht weiterhin nur Infos zu den Themen Landwirtschaft, Sicherheit und Militär zu sehen. Die Technologie muss attraktiv und bezahlbar bleiben, damit die Industrie nicht von Männern und ein paar Schlüsselfiguren dominiert wird. Für mich ist es eine sehr persönliche Erfahrung, ich fliege Drohnen für die Arbeit und ebenso aus spirituellen Gründen. Für mich ist es meditativ, beruhigend und entspannt mich. So kann ich mit der Technologie aktiv interagieren. Ich wandere und reise mit meinen Drohnen, immer auf der Suche nach neuen Ländern und Aufträgen. Das Fliegen hat mein Leben wirklich verändert. Viele Menschen fliegen ihre Drohne, um die nächste „heiße Aufnahme“ zu machen. Ich nenne das Drohnen-Porno. Wenn ich fliege, bin ich wie ein kleines Kind. Es ist immer ein tiefgründiges Erlebnis für mich. Wir diskutieren nie die emotionale Seite der Drohnen-Fliegerei und das ist etwas worüber ich viel schreibe.

Drohnenfotos und -videos findest du auf der Website von Grail Orenstein.